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© Wien Museum Ausstellung Großer Auftritt 2009

Kostüm-Geschichten

Von Mieder bis Latex, vom Modesalon der Schwestern Flöge bis Helmut Lang: Die Modesammlung des Wien Museum zählt mit ihrem Bestand von über 25.000 Objekten zu den bedeutendsten Sammlungen in Europa. Sie umfasst Damen-, Herren- und Kindermode vom 18. bis zum 21. Jahrhundert. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Damenkleidung des Bürgertums im 19. und 20. Jahrhundert, auf Meilensteinen wie Korsett, Wiener Goldhauben, Sonnenschirmen und Spazierstöcken mit edler Griffverzierung. Oder auch den längst in Vergessenheit geratenen Riechfläschchen und Handschuhspannern.

„Die Sammlung ist eine nicht abgeschlossene Sammlung. Wir sind deshalb immer auf der Suche nach guten Stücken, die wir glücklicherweise von vielen WienerInnen gespendet bekommen,“ sagt Dr. Regina Karner, Leiterin der Modesammlung, deren Schwerpunkt auf Wien oder in dessen Kontext liegt. Die Schenkungen beinhalten somit immer wieder auch das eine oder andere Opernballkleid. „Eigentlich muss man eine solche Sammlung rückblickend betrachten. Bei Kleidern aus den 1970er Jahren kann man den modischen Wert bereits festlegen. Für 2009 ist das allerdings noch nicht möglich. Man muss erst abwarten, um sagen zu können, was sich hier in Wien durchgesetzt hat und was nicht,“ erklärt Karner weiter.

Gegründet wurde die Modesammlung nach dem zweiten Weltkrieg von Prof. Alfred Kunz (dem ersten Direktor der Modeschule der Stadt Wien), dessen Privatsammlung das Fundament der Sammlung bildet, die über die Jahre durch zahlreiche Ankäufe und Schenkungen immer weiter ausgedehnt wurde.
Zu den modischen Highlights und Kostbarkeiten der Sammlung zählen unter anderem ein Kaschmirtuch von Maria Theresia, ein Morgenmantel von Johann Nestroy, Reformkleider von Kolo Moser, Malerkittel von Klimt und zahlreiche Kreationen aus den damals führenden Wiener Modesalons wie Christoph Drecoll, der Modeabteilung der Wiener Werkstätte sowie Hutkreationen von Adele List.

Wien Museum Grosser Auftritt  Folder 1

© Wien Museum Ausstellungsfolder Großer Auftritt 2009

Wien Museum Grosser Auftritt  Folder 2


Unter die zeitgenössischen Modeschöpfer mit internationalem Hintergrund reihen sich Helmut Lang, Vivienne Westwood, Armani und Dries van Noten. Laut Regina Karner werden immer wieder junge heimische Designer aufgenommen, die es schaffen, sich zu etablieren. Stücke aus der erfolgreichen Linie entworfen von Comme des Garçons für H&M stehen für den aktuellsten Erwerb. Karner erzählt weiter, dass Ankäufe eher selten gemacht werden, da diese immer mit sehr hohen Kosten verbunden sind. Textilauktionen gibt es fast ausschließlich in London und Paris, wo Preise für ein Kleidungsstück sich in der Höhe von mindestens 40.000 bis 80.000 Euro bewegen. Karners persönlicher Favorit sind die 1930er Jahre wegen ihrer taillierten, femininen Schnitte, die dem weiblichen Körper einen sehr erotischen Touch verleihen.
Außerdem birgt die Sammlung sämtliche zeitgenössische modische "Pflichtaccessoires" von den begehrten Nylons, der Kelly Bag, Ray-Ban Brillen bis zum Aerobicdress. Wenn sie nicht gerade in einer Ausstellung zu sehen sind, bleiben die Gewänder unter speziellen konservatorischen Bedingungen in Schränken im Depot im dritten Wiener Gemeindebezirk verwahrt.

„Ausstellungen sowie Erhaltung der Textilien sind mit enormem Aufwand verbunden. Die Raumtemperatur muss konstant zwischen 18 und 22 Grad betragen, die Luftfeuchtigkeit um die 55 Prozent,“ so Karner. Um den Alterungsprozess der Textilien nicht zu beschleunigen, dürfen sie weder dem Tageslicht noch einer starken künstlichen Lichtquelle ausgesetzt werden und müssen vor Staub und Insektenbefall geschützt sein. Auch die Reinigung erweist sich als eine äußerst aufwändige Angelegenheit. „Kleider aus dem 19. Jahrhundert, die man waschen kann, werden liegend gewaschen – in eine Wanne gelegt mit wenig Wasser und mit Schwämmchen gereinigt, die ganz sacht auf das Kleidungsstück gedrückt werden,“ erklärt Karner. Jedem Besitzer eines Vintage Kleides rät sie, die Kleidung abgedunkelt – sprich im Kleiderschrank – aufzubewahren, auf Mottenbefall zu untersuchen und bei gegebenen Fall reinigen lassen. Und nicht auf den altbewährten Lavendelbeutel zu vergessen.

Kleidung zwischen 1860 und 1910 ist in der Ausstellung Großer Auftritt: Mode der Ringstraße ab 10. Juni im Wien Museum (Karlsplatz) zu sehen. Ausgestellt werden prachtvolle Objekte aus der Sammlung wie eine zart grünfarbene Seidenkrepp-Taille aus dem Modesalon Grünbaum, Kleider für verschiedene Tageszeiten aus Organza, Seidendamast und mit Plissee; Abendkleider mit feiner Strohbestickung und ein Beispiel eines Skianzuges aus Wolle (ohne Korsett getragen) für jene Damen der Haute-Volée, die damit ihre Unabhängigkeit zur Schau stellen wollten.
Weiters gezeigt werden ein Modell der Damen-Radfahrmode um 1890 (mit Korsett getragen) und Beispiele der damaligen Trauerkleidung, die nach den strengen Vorschriften am kaiserlichen Hof bei jedem Todesfall getragen werden musste. So war ein Trauerhut ein absolutes Muss, und das Material für die Kleidung durfte keinesfalls glänzen. Zudem gab es die nötigen passenden Accessoires wie Trauertaschentücher; sogar Trauerunterwäsche war vorgeschrieben. Erst nach einer sechsmonatigen tiefen Trauerphase durfte die Kleidung mit Grau, Weiß oder Lila aufgelockert werden.
Ungefähr zur Jahrhundertwende kam auch die neue Farbe Mauve auf, die sich auf den europäischen Kaiserhöfen durch Trendsetterinnen wie Queen Viktoria von England, Kaiserin Sissi oder Kaiserin Eugénie von Frankreich schnell als Modefarbe durchsetzte. Als Beispiel dafür ist ein malvenfarbenes Halbtrauerkleid zu sehen.
Die Modesammlung verfügt im Schloß Hetzendorf über eine umfangreiche Bibliothek zum Thema Mode: unter anderem Zeitschriften von 1786 bis heute mit gesammelter Periodika wie Journal des Demoiselles 1834 – 1887, Harper’s Bazaar 1924 – 1975 oder GQ ab 1985. Darüber hinaus 3.000 Modekupferstiche und 10.000 Fotos.

Text: Sandra Pfeifer

Alle Fotos Christa Losta © Wien Museum

(Archiv 2009)

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