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© Material ConneXion, New York City flagship library

Material World

Das weltweit grösste Materialarchiv gewährte auf der Kooperationsbörse einen Tag lang freien Einblick. Von der Umsetzung einer Idee bis zum Verkauf ist es ein langer Weg. Dabei stellt für Modemacher und Gestalter die Suche nach dem passenden Hersteller und dem perfekten Material wohl eine der grössten Hürden im gesamten Arbeitsprozess dar. AUSTRIANFASHION.NET zusammen mit der Wirtschaftskammer Wien veranstaltete deshalb nun bereits schon zum dritten Mal die Kooperationsbörse Mode. Dort hatten Designer sowie Zugehörige der Mode und Kreativszene die Möglichkeit, mit rund 70 ausgewählten Kooperationspartnern (von Handwerksbetrieben bis zu Herstellern) Kontakte zu knüpfen.

Mit dabei in diesem Jahr war auch Material ConneXion, die weltweit grösste Anlaufstelle für innovative Materialien. Einen ganzen Tag lang gab der Geschäftsführer der Kölner Dependance, Marc Oliver Lieving, Besuchern der Kooperationsbörse Online-Touren durch deren umfassende Materialdatenbank. Zum gegebenen Anlass besuchte AUSTRIANFASHION.NET den New Yorker Hauptsitz von Material ConneXion.

Mit rund 7.000 Materialien im Archiv verzeichnet, ist Material Connexion für Designer, Studenten wie auch Industrie und Handel eine Art kreatives Paradies. Im Schauarchiv wird jeweils ein kleiner Teil des gesamten Bestandes ausgestellt. Zur besseren Ergreifbarkeit der gezeigten Stücke werden die Materialien nach ihrer Zusammensetzung in Gruppen wie Metalle, Polymere oder Naturfasern unterteilt. Beim Rundgang findet sich so Einiges an Interessantem wie Ungewöhnlichem: so zum Beispiel einem Gewebe hergestellt aus den Bändern von alten bespielten Musikkassetten; Kunstpelz, der mittels Laserschneidetechnik einen 3D Effekt erzielt oder zu Bindfäden geflochtene Banananschalenfasern. ‘Das von der NASA als Isoliermittel entwickelte Aero Gel ist wegen dessen transparenter Ästhetik bei Modedesignern sehr beliebt,” erklärt die Materialexpertin des Hauses, Ana Linares. ‘Vor allem sehen sich Designer ständig nach neuen Verfahren um. Erstaunlicherweise bleibt die Laserschneidetechnik in der Mode soweit noch relativ ungenutzt.”

Die Datenbank wächst stetig an: jedes Monat kommen 40 bis 50 Neuheiten hinzu. Bevor diese jedoch Aufnahme finden, unterliegen sie einem strengen Auswahlverfahren durch eine Jury bestehend aus einem geschulten internen Team sowie Experten aus verschiedenen Branchen. Dabei wird weniger auf die äusserliche Erscheinung Wert gelegt sondern strikt nach vier Kategorien geprüft, die genau festlegen, was Innovation nun wirklich bedeutet: ‘Neues Material oder neues Verfahren’, ‘Entscheidende Verbesserung eines bereits bestehenden Materials oder Verfahrens’, ‘Technologischer Transfer/Übertragbarkeit’ und ‘Nachhaltigkeit’. Einzige Bedingung zur Einreichung von Materialien ist deren Käuflichkeit. Prototypen oder Rohmaterialien werden nicht angenommen. Zugang zur Online Datenbank, um nach Materialien und Herstellern zu suchen, erhalten nur registrierte Mitglieder. Der jährliche Beitrag variiert unter Anderem je nach Bedarf oder Grösse des Betriebes.

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Innovation Wall

Was Textilien anbelangt, meint Linares, die selbst eine Designerin ist, erwartet man sich neben ihrer Widerstandsfähighkeit auch ständig bessere Eigenschaften. “Von einer italienischen Firma stammt die Black Technology, welche schwarze Sportbekleidung UV undurchlässig macht. Noch dazu bleibt das Material atmungsaktiv, fühlt sich weich an und unterscheidet sich auch visuell nicht von den anderen.” Eines der jüngsten Neuerungen, das sogenannte ‘One Shot Process Knitting’ in der ein Kleidungsstück in einem Durchgang ohne Saum hergestellt wird, entstammt einer deutschen Firma. ‘Ein gutes Beispiel in Sachen Innovation,” meint Linares weiter, “denn dieses Material stellt für die Modeindustrie mit Sicherheit eine neue grosse Herausforderung in der Produktion dar”.
Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. An einen Trend glaubt sie dabei allerdings nicht. “In Zukunft bedeutet es die einzige Chance für Firmen, um konkurrenzfähig zu bleiben.” Als nachhaltig werden auch jene Materialien eingestuft, die dabei helfen, einen solchen Prozess zu ermöglichen.

Zum Anderen steht Material ConneXion für spannende Kollaborationen. “Wir bringen nicht nur Designer und Hersteller zusammen, sondern auch Leute aus verschiedenen Branchen oder Disziplinen wie Mode, Architektur oder maritiemer Kunst an einem Tisch,” fügt die Marketingchefin Gabriella Vivaldi hinzu. “Vor unserer Gründung 1997 hat eine solche Schnittstelle einfach nicht existiert.”
So kamen Projekte wie mit einem grossen deutschen Automobilhersteller zustande, mit dem sie zusammen mit ihrer Schwesterfirma, der Design Consulting Agentur Culture and Commerce , ein dehnbares Material entwickelten, das sich wie eine Haut über das Auto zieht (dessen Silberbeschichtung aber die Illusion von Metall erzeugt).

Durch seine jahrelange Zusammenarbeit mit verschiedenen Möbelerzeugern hatte Präsident George M. Beylerian eine richtungsweisende Vision, die er mit Material ConneXion kurzum verwirklicht hat. Sein unternehmerischer Einfallssreichtum (wie dem Casa Idea Lifestyle Shop) hat massgeblich dazu beigetragen, die Designszene sowie den Designkommerz in Amerika zu ‘kultivieren’. Material ConneXion aber bleibt eine anspruchsvolle und fortschrittliche Einrichtung. “Sie verbindet alles und alle miteinander,” sagt Linares, “aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass die grösste Herausforderung für mich immer jene war, den richtigen Hersteller zu finden.” Mittlerweile gibt es acht Zweigstellen, unter die sich auch Mailand, Istanbul und Seoul reihen.

Text: Sandra Pfeifer (New York/Wien)

(Archiv 2012)

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