Pairs of Eight
Stoß im Himmel 3, hier im ersten Bezirk und dennoch ein bisschen ums Eck
ist eine Wiener Schmuckinstitution zu Hause. Und das in wechselnder
Besetzung seit schon fast zwanzig Jahren. STOSSIMIMHIMMEL ist eine Ateliergemeinschaft von acht SchmuckkünstlerInnen.
Deren Besetzung? Im Moment rein weiblich. Irgendwie passt das, denn
immer wieder war diese Adresse ein Ort der Frauen: im 17. Jahrhundert
war in der Nummer drei für ein paar Jahre der Orden der „Englischen
Fräulein“ zu finden, Mitte des 19. Jahrunderts wurde hier der Wiener
Frauen-Erwerbs-Verein gegründet.
Die Schmuckkünstlerinnen, von den acht aktuellen Mitgliedern der
Ateliergemeinschaft sitzen heute fünf zum Gespräch beisammen, sind:
Caroline Ertl, Eva Tesarik und Heike Wanner, alle drei seit Anfang an
dabei. Vor sechs Jahren stießen die Luxemburgerin Michelle Kraemer und
vor drei Jahren die Izabella Petrut dazu. An diesem Nachmittag nicht
Teil der Runde: Astrid Siber und Kamilla Wróbel.
Die Schmuckkünstlerinnen, von den acht aktuellen Mitgliedern der Ateliergemeinschaft sitzen heute fünf zum Gespräch beisammen, sind: Caroline Ertl, Eva Tesarik und Heike Wanner, alle drei seit Anfang an dabei. Vor sechs Jahren stießen die Luxemburgerin Michelle Kraemer und vor drei Jahren die Izabella Petrut dazu. An diesem Nachmittag nicht Teil der Runde: Astrid Siber und Kamilla Wróbel.
Das im kommenden Jahr anstehende zwanzigste Jubiläum des Schmuckateliers ist Anlass genug, über die Anfänge zu sprechen. „Damals waren wir zu fünft, vier von uns haben sich in der Berufsschule für Gold- und Silberschmiede und Juweliere kennengelernt“, erklärt Gründungsmitglied Heike Wanner. Damals in den Neunzigern habe es in Wien keine künstlerische Ausbildung im Bereich Schmuck gegeben. „Deshalb haben wir eben ergänzend Praktikas bei Künstlern gemacht. Oder Workshops im Ausland“, erklärt Eva Tesarik.
Nach der Ausbildung habe dann die Frage im Raum gestanden: Was machen wir denn jetzt? Erklärtes Ziel der kleinen Gruppe: als freischaffende KünstlerInnen zu arbeiten, erklärt Wanner. Erster Schritt in die Öffentlichkeit sei damals eine gemeinsame spartenübergreifende Ausstellung in der Burg Perchtoldsdorf gewesen. Danach habe man das Lokal gefunden. Und auch ein bisschen eine eigene Identität: das gemeinsame Lokal, das habe ihnen gut getan, erklären die Designerinnen im Rückblick. Zuvor habe man in einer versteckten Werkstatt im zweiten Hinterhof gewerkelt. „Hier, in unserem Gassenlokal plus Atelier, konnten wir uns endlich nach außen öffnen. In der Werkstatt im vorderen Raum kann uns jeder, der möchte, bei der Arbeit über die Schulter schauen.“ Dahinter: der Schauraum, in dem gerade die Schmuckstücke der acht Schmuckkünstlerinnen auf schlichten Holzbrettern präsentiert werden. Die Aufteilung der Räumlichkeiten? Sei immer eine ganz bewusste Entscheidung und eine Einladung an Passanten und Interessierte gewesen.
Und die Arbeiten der acht Schmuckkünstlerinnen? Trotz der gemeinsamen Adresse sehr unterschiedlich. „Wir haben alle unseren eigenen Zugang und verwenden sehr unterschiedliche Materialien“, erkärt Eva Tesarik. Und tatsächlich: die wolkigen Halsketten der Luxemburgerin Michalle Kraemer, die auf den ersten Blick wie wuchtige Gehänge aussehen, entpuppen sich als federleichtes, beschichtetes Balsaholz. Die Biologin Eva Tesarik verarbeitet Fundstücke wie Muscheln oder Stücke eines venezianischen Tabletts zu stolzen Ketten, Broschen oder Armreifen, Caroline Ertl fertigt Schmuckstücke, die mit der Ästhetik des Unfertigen, des Unvollkommenen spielen. Und dann wären da noch Heike Wanners kunstvoll zusammengebogene Drahtgebilde und Izabella Petrut, die schonmal Tierfiguren zu Ketten verarbeitet.
Die Vorteile eines solchen Gemeinschaftsateliers? Liegen für die Mitglieder auf der Hand. „Es kommt hier zu Diskussionen und Gesprächen zu einzelnen Arbeiten, das bereichert einfach. Es ist toll, Feedback und auch andere Blickwinkel, Zugänge zu bekommen. Allein im Kammerl würde ich es nicht aushalten“, meint Kraemer. Kopfnicken in der Runde. Die Schmuckkünstlerinnen mag auch ihre eigenwillige Haltung verbinden: „wir orientieren uns nicht in erster Linie daran, was gerade angesagt ist oder gut geht. Natürlich gibt’s bei uns auch modische Stücke, aber wir beugen uns keinem modischen Diktat.“ Im Unterschied zu konventionellem Prestigeschmuck vom Juwelier, dem es oft um Diamanten gehe, steht für die Designerinnen der Materialwert nicht an erster Stelle. „Außerdem arbeiten wir impulsiver, jeder macht das, was er gerade machen möchte“, erklärt Ertl. Oft fertige man Einzelstücke, maximal Kleinserien.
Und auch wenn die Arbeiten, die im Atelier zu sehen und zu kaufen sind,
sehr unterschiedlich ausfallen, beeinflusse man sich durchaus
gegenseitig: „Unbewusst kommts hier im Atelier schonmal zu sowas wie
Modeströmungen“. Und natürlich macht der räumliche Zusammenschluss auch
ökonomisch Sinn. Die täglichen Öffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr können
zum Beispiel gemeinsam überbrückt werden: „Viele von uns haben
Nebenjobs, Kinder. Dass wir alle acht im Atelier sind, passiert eher
selten.“ Dabei gebe es immer was zu tun: die Auslagen, die Gestaltung,
die Presse-Arbeit, der Online-Auftritt, da helfe die Aufgabenteilung
sehr. „Die eine arbeitet gerne digital, die andere kann besser texten.“
Doch für die Schmuckkünstlerinnen ist STOSSIMHIMMEL viel mehr als nur
praktische Überlegung. Caroline Ertl: „Ohne dieses Gemeinschaftsatelier
hätte ich niemals so lange durchgehalten. Man durchlebt über die Jahre
hinweg ja so einiges.“ Die anderen nicken, Gelächter. Sie wissen, wovon
ihre Mitstreiterin spricht.
Text: Anne Feldkamp, Journalistin (Der Standard) und Kunsthistorikerin.
Alle Bilder beigestellt.
Atelier STOSSIMHIMMEL