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© Ingrid Loschek Archiv / Innung der Wiener Modemacher

Sammlung Loschek: Mode den Menschen näher bringen

Die renommierte Wiener Modehistorikerin und- theoretikerin Dr. Ingrid Loschek unterrichtete angehende Modeschaffende und verfasste zahlreiche Publikationen über Mode. Nach ihrem Tod ging ihre umfassende Sammlung an die Innung der Wiener Modemacher. 

Ingrid Loschek absolvierte keine klassische Modelaufbahn. Sie studierte Theaterwissenschaften und Kostümkunde in Wien und Manchester. Aber schon 1976, drei Jahre nach ihrer Promotion in Wien, bearbeitete sie eine erste Publikation mit dem Titel "Die Mode" – ein zweibändiges Werk, das die Kulturgeschichte vom Mittelalter bis zum Jugendstil aufzeigt. Ab 1983 widmete sie sich ausschließlich der Mode – in Vorlesungen, Seminaren und Publikationen. Von 1995 bis zu ihrem Tod war sie Professorin für Modegeschichte und Modetheorie an der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft in Pforzheim. Parallel dazu nahm sie Gastprofessuren in Europa, USA, Japan und Afrika an. Darunter auch die renommierte Harvard Universität in Cambridge/Massachusetts. Durch ihre zahlreichen Publikationen wurde sie zur geachteten Modeexpertin und zum gefragten Gast bei öffentlichen Interviews und Diskussionen.

Ingrid Loschek arbeitete interdisziplinär - Themen, die sie verfolgte, waren soziologische und ethologische Komponenten von Mode, Innovationstheorien in der Mode sowie die Wechselwirkung von Mode und Kunst. (1,2)

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© Ingrid Loschek Portrait

Für mich beginnt die Modegeschichte gestern

1998 erhielt sie den Europäischen Mode-Initiativpreis der Kultur-Fördergemeinschaft der Europäischen Wirtschaft. In der Laudatio fiel der Satz:
„Sie haben Mode- und Kostümgeschichte als wissenschaftliche Disziplin überhaupt erst etabliert.“ Sie selbst relativierte dies in einem Interview auf BR-Online und erklärte, dass es die wissenschaftliche Disziplin schon seit Beginn des 20. Jhts gebe. Zitat: “Ich beschäftige mich sehr gern mit dem 20. Jh., der Zukunft und der Jetzt-Zeit. (...) Ich habe vor 20 Jahren (...) festgestellt, dass die Modebücher damals bis zu den fünfziger Jahren gingen, und kein Mensch traute sich, über Mode und Diffamierung der Frau im Nationalsozialismus zu schreiben und ich dachte mir, dass das bis heute analysiert werden müsse. (...) für mich beginnt die Modeschichte gestern (...).“

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Wiener Mode

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Moderne Welt, 1919

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1948

Mode den Menschen näher bringen

In diesem Interview wurde Ingrid Loschek auch nach ihrer Hauptantriebsader gefragt.  Sie antwortete, sie wolle Mode den Menschen näherbringen, die Arbeit der Designer erklären und den Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Zitat: „Die Leute müssten mehr erzogen werden, zur Lust, einmal etwas Anderes anzuziehen, ... und nicht mehr diese Flatterkleider, die jeder Figur passen.“ Sie bedauerte, dass die Tageszeitungen diese Aufgabe nicht wahrnehmen. In Tageszeitungen sei Mode immer seicht und unterhaltend dargestellt. Kritiken über Kunstausstellungen und Bücher würden indessen sehr philosophisch und abgehoben ausfallen.

Loschek selbst begriff Mode als Teil der Kultur; wie die Kunst. Das geht nicht zuletzt aus dem von ihr verfassten Modelexikon (1998) (3,4) hervor, in dem sie über  Designer von Armani bis Yamamoto schrieb und die Handschrift von Designern mit jener von Malern vergleicht.

Loscheks Ordnung beibehalten

Im Zuge ihres umfassenden Schaffens legte sie ein etwa 70 qm großes Archiv an - mit Büchern, Modezeitschriften, Fotos und Dias. Nach ihrem frühen Tod im März 2010, ging dieses an die Innung der Wiener Modemacher. Die Exponate sind im Innungshaus in der Fütterergasse 1 in zwei Räumen untergebracht und wurden erstmals 2016 präsentiert. Bis die Exponate in einer Online-Datenbank erfasst werden, bleibt die Ordnung, die ihr Ingrid Loschek gegeben hat, aufrecht. Sie behandelte Mode im Kontext von Wirtschaft, Politik, Religion, Kultur und Soziologie. Auch ihre Leidenschaft für den Film blieb erhalten, wie entsprechende Bücher und Magazine belegen. 

Die Sammlung an Magazinen und Zeitschriften umfasst 3000 Exponate und sind in einem eigenen Raum untergebracht. Die Ausgaben datieren bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Ausgaben der Vogue sind ebenso zu finden, wie Ausgaben von La Femme Chic, L’Art et la Mode, L’Officiel oder Die Dame. 

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Vogue, 1938

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Vogue, 1939

Mode im engeren Sinn

Bücher zu Mode im engeren Sinn decken die Modegeschichte in ihren zahlreichen Facetten ab. Ein spezieller Schwerpunkt ist der Tracht gewidmet.  Neben Exponaten zur alpenländischen Tracht gibt es auch welche zur Kleidung im alten Ägypten und türkischen Gewändern. Loschek's Faszination für das 20. Jh. zeigt sich in Büchern zu Modephänomenen jüngeren Datums, wie etwa die Geburt der italienischen Mode (Vergani, G.) oder die 20er Jahre (Götz, N./Wegener, M.). Beim Durchblättern theoretischer Werke fallen Loschek's handschriftliche Notizen auf. Manchmal war es auch eine Kritik, die sie festhielt; z.B. wenn der Autor nicht zwischen den Begriffen Mode und Kleidung unterschied.

Interdisziplinäre Arbeitsweise

Großen Wert für Modeschaffende und –publizierende haben die Unterlagen zu Loschek's Seminaren und Vorlesungen, die ebenfalls in der Sammlung enthalten sind. Nicht zuletzt wegen der interdisziplinären Arbeitsweise der Wissenschafterin, die mit angesammeltem Wissen und akribischer Recherche verbunden war. In den Ordnern sind Zeitungsausschnitte, Entwürfe und Endfassungen von Vorträgen. Endfassungen, die sie bis zuletzt verbesserte, wie die handschriftlichen Korrekturen belegen. Der Ordner ‚Politik: 20er, 50er, 70er Jahre’ enthält zum Beispiel Aufzeichnungen zu einem Vortrag mit dem Titel ‚Mode - Medium revolutionärer Anschauungen’.

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© Ingrid Loschek Archiv

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Ingrid Loschek Publikationen

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Wann ist Mode? Strukturen, Strategien und Innovationen. Verlag Reimer, 2007

Die Sammlung Loschek im Innungshaus der Wiener Modemacher steht Interessierten gegen Voranmeldung zur Verfügung.

Sammlung Loschek Mode Wien

Ingrid Loschek - Wikipedia


Text: Hildegard Suntinger


Quellen: 

1 Verzeichnis der Vorlesungen und Seminare von Ingrid Loschek (1980 bis 2009): http://www.loschek.de/vorlesungen.html.de abgerufen am 30. 08.2018.

2 Ingrid Loschek (1950 – 2010) studierte in Wien und Manchester Theaterwissenschaften, Kostümgeschichte, wurde 1973 in  Wien promoviert und lebte in München. 

3 Waltenberger-Walte, Margot (1999): Interview mit Prof. Dr. Ingrid Loschak, Modehistorikerin und Modetheoretikerin. auf Alpha Forum. Abgerufen am 20.02.2018

4 Loschek, Ingrid (1998): Die Modedesigner. Ein Lexikon von Armani bis Yamamoto. In: Beck'sche Reihe. 1249. München: Beck.

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